MoJo

Famous Last Words

2 Jan , 2015   Video

A little bit of #mojo with iOs Apps Legend and Replay. Bye, bye, Yanis Varoufakis, Hells Angel of European politics. (By the way, it´s square video…)

Hamburg, MoJo

8 Reporter, 4 iPhones und eine Sturmflutübung

29 Sep , 2014  

NDR-Reporterin Elena Kuch ist in die Knie gegangen: Sie interviewt Matz Trunwald. Der 12-Jährige sitzt im grünen T-Shirt auf einer Holzbank in der Notunterkunft Nord und vermutet: „Das Hochwasser macht wahrscheinlich unseren Laptop kaputt und alles zu Hause, was mit Strom läuft.“

Our equipment (3)Das Mikrofon, in das er spricht, ist über ein Kabel mit einem iPhone5 verbunden. Elena Kuchs Kollegin Marie Marzahn hält das Smartphone – und versucht, Matz Trunwald gut in Szene zu setzen. Denn das iPhone ist das einzige Produktionsmittel, mit dem Kuch und Marzahn über die Katastrophenschutzübung der Hamburger Innenbehörde berichten – für eine Probesendung des Hamburger Newsrooms.

Die Herausforderung: Acht Journalisten in vier Teams sollen Berichte und Live-Schalten ausschließlich über das iPhone produzieren. Der britische Nachrichtenkanal „Skynews“ und andere Sender im europäischen Ausland nutzen diese Produktionsform schon seit Längerem im Redaktionsalltag. Der NDR wollte für seinen Hamburger Newsroom herausfinden, wie gut sich Nachrichtenjournalismus mit dem iPhone produzieren lässt – der Workshop war vor allem eines: ein großes Experiment.

Our equipmentKnappe drei Stunden lang erhielten die Reporter am Vorabend der Übung eine Einweisung in die Programme, mit denen das iPhone zum mobilen Reportergerät wird. Am nächsten Morgen verteilten sie sich schon auf vier Schauplätze einer Katastrophenschutzübung: In den Bezirken Nord und Wandsbek waren Krisenstäbe eingerichtet worden, die jeweils eine Notunterkunft für die Betroffenen einer schweren Sturmflut einrichten und betreiben mussten.

Mehr als 200 Freiwillige nahmen an der Übung teil. In zwei Stunden filmten die Reporter vor Ort kurze Nachrichtenfilme (per FilmicPro), die sie auf dem Smartphone schneiden (Pinnacle Studio) und vertonen sollten. Über die ARD-Reporterapp (VizReporter) luden sie die fertige Filme hoch.

Im Newsroom schauen Kollegen nervös auf ihre Bildschirme: Das Hochladen der Nachrichtenfilme braucht Zeit, die blauen Balken wachsen nur langsam. Immer wieder bricht ein Upload ab. Schließlich jedoch sind viel Filme online.

Livelink to studio via Dejero kleinIn der Notunterkunft Nord am Alsterredder machen sich Michael Storfner und Kolja Robra unterdessen für ihre Liveschalte fertig – auch das nur über das Smartphone. „Wir haben kein Netz“, stellt Storfner mit Schreck fest. Schnell laufen sie über das Schulgelände, auf dem die Notaufnahme eingerichtet wurde. „Hier klappt es“, ruft Kolja Robra erleichtert. „Etwas mehr Luft über dem Kopf“, bittet in die Regie in Lokstedt. Kolja Robra richtet die iPhone-Kamera einen Tick höher aus, dann drückt der den „On Air“-Knopf. Wenig später spricht Moderator Jörg Boecker Michael Storfner aus dem Studio an. „Wie ist die Lage in der Notunterkunft Nord?“

Für die Live-Schalten hat die Abteilung „Außenübertragung Fernsehen“ eigens zusätzliche Technik installiert: Zwei Server in der AÜ empfangen die Signale der Apps von zwei Anbietern – LiveU und Dejero –, die auf den Telefonen der Reporter installiert sind. Diese Apps können die LTE-Mobilfunkverbindung und ein W-Lan-Netzwerk gleichzeitig nutzen.

Auf Sendung ist gerade Daniel Sprehe. In der Regie muss der Toningenieur eifrig nachsteuern, um einen ordentlichen Ton auf den Sender zu bringen – es klappt. Die Bildqualität ist ausrecichend. „Soweit unsere Sondersendung zum Jahrhunderthochwasser in Hamburg“, schließt Jörg Boecker die Sendung. Erleichtert entspannen sich alle Beteiligten in der Regie und vor Ort. Knapp 15 Minuten Sondersendung hat der Newsroom ausschließlich mit iPhones produziert. In einer zweiten Sendung gab es größere Verbindungsprobleme bei den Live-Schalten.

Our equipment (15)Das Fazit: Es ist faszinierend, wie gut die Technik schon ist. Für den Fall von ‚Breaking News‘, für die erste Stunde eines Ereignisses, taugen Smartphones durchaus, um die schnelle Berichterstattung von vor Ort zu ergänzen. Entscheidend ist die Netzabdeckung: Mit ihr steht und fällt der Erfolg von „mobile journalism“. FilmicPro liefert gute Bilder, Pinnacle Studio bietet gute Möglichkeiten für Schnitt und Vertonung. Allerdings fielen beim Ausspielen in die Camera Roll des iPhone kleinere Bildstörungen auf. Pinnacle Studio arbeitet daran und empfiehlt, ggf. nicht im Modus „Beste“, sondern nur mit „Bessere Qualität“ zu speichern. zudem hat der Workshop aber gezeigt, mit wie viel Energie und Enthusiasmus alle Beteiligten aus Produktion und Technik ein solches Experiment begleiten.

This article was published in a longer version and in English here.